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Drei Juden sitzen im koscheren Restaurant.
Sagt der eine: ┬╗Kellner, ich will ein Glas Tee!┬ź
Sagte der zweite: ┬╗Kellner, ich will den Tee mit Zitrone!┬ź
Sagt der dritte: ┬╗Ich will auch Tee. Aber unbedingt in einem ganz sauberen Glas!┬ź
Nach einer Weile kommt der Kellner mit drei Glas Tee und fragt:
┬╗Wer von Euch bekommt das saubere Glas?┬ź

J├╝dische Witze

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Der j├╝dische Witz

Der anspruchsvolle j├╝dische Witz hat eine Melancholie eigner Pr├Ągung, etwas wie Trauer dar├╝ber, dass Anspruch und Realit├Ąt sich offenbar nie decken und man, um wenigstens ┬╗im Wort bestehen zu k├Ânnen┬ź, darauf angewiesen ist, Spiegelgefechte mit der Wahrheit zu f├╝hren. Durch lange Zeit hindurch war der Witz der Juden die einzige und unentbehrliche Waffe des j├╝dischen Volkes. Es gab, zumal in der Neuzeit, Situationen, die die Juden ohne Hilfe des Volkes kaum h├Ątten bew├Ąltigen k├Ânnen.

In so manchen j├╝dischen Witzen steckt mehr als man gemeinhin als Volksweisheit zu bezeichnen pflegt, Witze, die in Dimensionen f├╝hren, vor denen die Witze andere V├Âlker Halt machen. Denn die Entstehung von Witzen ist nur auf einer Kulturh├Âhe m├Âglich, die Verdr├Ąngung m├Âglich macht. Je sch├Ąrfer der Druck und je strenger die Anforderungen, je geringer dabei die M├Âglichkeit, sich durch befreiende Taten zu wehren, desto mehr und desto tiefere Witze werden entstehen ÔÇô vorausgesetzt, dass der Druck und die Anforderungen bewusst erlebt und kritisch abgelehnt werden.

Der auf den Juden lastende Druck war bedingt durch den Willen, sich als Volk ohne gemeinsames Land und als wehrlose Volksgruppen im Exil ├╝ber Jahrtausende zu erhalten. Die Anforderungen waren hierbei das ├╝berm├Ąchtige Gesetz und die unz├Ąhligen Vorschriften, die das gesamte Leben des gl├Ąubigen Juden durchdrangen. Die Realit├Ąt jedoch ist die Schwachheit und Torheit des Menschen. Diesen Widerspruch zu ├╝berwinden half nur die Ironie.

Die bittere Selbstkritik, die zum Wertvollsten am j├╝dischen Schrifttum geh├Ârt, kennzeichnet auch den j├╝dischen Witz, z.B. im Kampf gegen eingebildeten Antisemitismus:
┬╗Chaim, was hast Du im Radiogeb├Ąude drin gemacht?┬ź
┬╗Mi-mi-mich u-um die Sch-stelle des A-a-ansagers beworben.┬ź
┬╗Und? Hast Du sie bekommen?┬ź
┬╗N-ein! Da-da-s sind alles A-a-antisemiten!┬ź

Der j├╝dische Witz entstand durch das ost- und mitteleurop├Ąische Judentum kurz nach Einbruch der Aufkl├Ąrung gegen Ende des 18. Jahrhunderts, als bei den Juden zum ersten Mal eine tiefer gehende Kritik an den eigenen religi├Âsen Institutionen und Verpflichtungen sowie den ├Ąu├čeren Lebensumst├Ąnden im Exil aufkeimte. Er starb mit Abnehmen des ├Ąu├čeren Drucks sowie der Beendigung der Exilsituation durch Gr├╝ndung des Staates Israel und ist heute nur noch eine historische Erscheinung. Wir sollten den j├╝dischen Witz, solange er uns in seinen Voraussetzungen noch nicht fremd geworden ist, versuchen zu verstehen. Es lohnt sich!

Henning Studte
┬╗Lobster┬ź, November 1999